Jede Skitour sollte mit Bedacht ausgewählt und geplant sein hinsichtlich der Lawinensituation. Auch während der Tour muss stets die Lage vor Ort und die Gefahrensituation eingeschätzt werden. Das haben wir bereits am Theorie-Abend gelernt. Doch nun geht’s ans eingemachte… der praktische Teil.
Jede Skitour sollte mit Bedacht ausgewählt und geplant sein hinsichtlich der Lawinensituation. Auch während der Tour muss stets die Lage vor Ort und die Gefahrensituation eingeschätzt werden. Das haben wir bereits am Theorie-Abend gelernt. Doch nun geht’s ans eingemachte… der praktische Teil.
Der erste geplante Termin musste bereits wegen Regen bis in hohe Lagen abgesagt werden, doch nun hatte es ein wenig geschneit und mit der Hoffnung auf mehr Schnee in höheren Lagen sind wir aufgebrochen nach Kelmen um in Richtung des Berges „Kalter Stein“ aufzusteigen. Der Gipfel war bereits optional geplant, immerhin sollte der Fokus auf der LVS-Übung liegen.
Am Parkplatz stiegen wir nahe den 2 Autos bereits voller Zuversicht direkt auf die Bretter, doch sobald wir die ersten Bäume erreicht hatten, zeigte sich die erste Besonderheit der Tour: Eine Bachüberquerung auf Eis und Steinen in Skischuhen. Wer hat Lust auf Eisbaden?
Dann wurde der Wald lichter und wir konnten auf Skiern das schöne breite Bachbett entlang durch Latschen hindurch aufsteigen bis zum Kelmer Kar. Nun kamen erste Zweifel auf ob der Kalte Stein begehbar war. Die Sicht ließ keine gute Einschätzung aus der Ferne zu. Im Umkreis konnte man bereits leichte Abgänge von Gleitschneelawinen sehen. Diese waren jedoch laut Einschätzung unserer Experten Alexander Mayerhofer und Wolfgang Güntner bereits wieder festgefroren. So stiegen wir zunächst weiter auf bis unser Kursleiter anhielt. Der Zweifel: Triebschneeansammlungen am Grat nahe des Gipfels, was zusammen mit dem Lawinenlagebericht eine kritische Lawinensituation ergab. Bei schlechter Sicht übten wir Verzicht ;-). Also entschieden wir uns wieder abzufahren auf ebeneres Gelände um das Hauptziel der Tour durchzuführen: Die LVS-Übung.
Jede Theorie hat nur geringen Wert ohne die Übung für den Ernstfall, also trainierten wir… erstmal buddeln… und buddeln… um die Übung vorzubereiten (oder auch um warm zu bleiben). Nachdem 3 LVS-Geräte inklusive kleiner Planen vergraben waren konnte die Übung nun wirklich starten. Wir lernten wie man sich im nahen Bereich (ab 20m Nähe) verhält, wie der genaue Umgang mit dem LVS auszusehen hat und wie man sondiert. Wer Details hierzu will muss nächstes Mal einfach mitkommen ;-). Dann durfte jeder von uns aus einer Distanz außerhalb der Reichweite des Signals den Suchvorgang selbst durchführen inkl. Sondierung. Nun kann es also jeder… oder auch nicht?
3 Verschüttete, 8 verbliebene Unverschüttete: Das sind doch eigentlich gute Chancen jeden von Ihnen innerhalb von 10 Minuten zu retten?! Wir werden sehen…
Ein „panischer Skitourengänger“ läuft auf uns zu und erzählt uns von seinen 3 verschüttenden Freunden. Wolfgang übernimmt die Führung. Einer setzt den Notruf ab, ein weiterer kümmert sich um den panischen Mann. Da waren’s nur noch sechs. Wolfgang sucht, der Rest packt Schaufel und Sonde aus. Es muss schnell gehen… Der erste Verschüttete ist schnell gefunden und 3 von uns beginnen zu graben. Nach insgesamt 8 Minuten ist er lebendig, wenn auch angeschlagen, aus der Lawine befreit. Zum gleichen Zeitpunkt wurde bereits der Dritte entdeckt. Einer bleibt beim ersten Verschütteten, der Rest gräbt nun die verbleibenden beiden aus. Spannung pur… Werden wir es rechtzeitig schaffen? Nach insgesamt ca. 13 Minuten wurde eine zunächst bewusstlose Frau aus der Lawine geborgen. Nach einigen sorgenvollen Momenten überzeugte sie uns jedoch von ihrem Lebenswillen und wurde warm eingepackt. Glück gehabt… (wenn auch vermutlich in einer realen Situation bereits recht unwahrscheinlich).
Wir haben eindrücklich gelernt, dass für den Extremfall die praktische Übung eine enorm wichtige Rolle spielt.
Unser Tourenleiter Alex konnte nun leider nicht mehr gerettet werden. Nach 14 Minuten stellten wir fest, dass wir an der falschen Stelle gebuddelt haben. Während Wolfgang neu sucht und sondiert, merkt der Rest aus unserer Gruppe, dass die Wahrscheinlichkeit ihn lebendig aus dem Schnee befreien zu können inzwischen bereits drastisch gesunken ist, aber niemand gibt auf und wir stehen trotzdem alle mit der Schippe bereit. Auf die erfolgreiche Sondierung legen alle wild Hand an und graben einen vorbildlichen Kegel wie aus einem Bilderbuch… Ungeachtet der Zeit ziehen wir einen Körper aus dem Schnee und stecken ihn in einen Biwaksack.
Obwohl wir nicht alle retten konnten, machten wir uns trotzdem vollständig nun wieder an die Abfahrt durch die Latschenwälder auf dem selben wieder Weg zurück.
Wir haben viel gelernt und hatten auch noch Spaß dabei.
Danke Alex!
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